Förderung der Graphem-Phonem-Korrespondenz von Kindergartenkindern durch Lautgebärden
Theorie: Lese- Rechtsschreibstörungen (LRS) umfassen weitreichende Folgen für die betroffenen Kinder bis ins Erwachsenenalter. Um frühzeitig der Entwicklung einer LRS entgegenzuwirken, wird die Förderung der Graphem-Phonem-Korrespondenz betont. Es wurde bereits gezeigt, dass die Graphem-Phonem-Korrespondenz bei Kindergartenkindern durch ein Training mit Lautgebärden gefördert werden kann. Fragestellung: Im Fokus der vorliegenden Arbeit standen die Fragen, ob ein Training mit Lautgebärden die Graphem-Phonem-Korrespondenz bei Kindergartenkindern fördern kann und welche Art von Lautgebärden im Falle eines Fördereffekts dabei den größten Lernzuwachs verzeichnet. Methode: In der vorliegenden Arbeit wurde ein Training mit klassischen, ikonischen und ohne Lautgebärden entwickelt. In drei Trainingssitzungen wurden dabei insgesamt neun Buchstabe-Laut-Verbindungen trainiert. Vor und nach dem Training wurde sowohl die rezeptive als auch die produktive Buchstabenkenntnis und weitere frühe schriftsprachliche Fähigkeiten mithilfe des LRS-Screenings erhoben. Die Stichprobe setzt sich aus 27 Kindern im Alter von durchschnittlich 59 Monaten (SD = 3,69) zusammen. Ergebnisse: Die ANCOVA ergab keinen signifikanten Effekt der Interaktion Trainingsbedingung-Messzeitpunkt weder in der rezeptiven noch produktiven Buchstabenkenntnis. Ein gepaarter t-Test ergab jedoch einen signifikanten Lernzuwachs der Kontrollvariable Anlauterkennung (t(26) = -2.12; p < .05; d = -0.83). Diskussion: Aufgrund der Ergebnisse der ANCOVA müssen die beiden aufgestellten Hypothesen „Mithilfe eines Trainings mit Lautgebärden kann die Graphem-Phonem-Korrespondenz bei Kindergartenkindern gefördert werden“ und „Im Falle eines Lernzuwachses erzielt die Trainingsbedingung „klassische Lautgebärden“, einen größeren Lernzuwachs als die Trainingsbedingung „ikonische Lautgebärden““ abgelehnt werden. Zur abschließenden Beantwortung der Fragestellung müssen jedoch auch die Limitationen des Studiendesigns und der Entwicklungsstand der untersuchten Kinder berücksichtigt werden. Aus diesem Grund sollte die Förderung der Graphem-Phonem-Korrespondenz durch Lautgebärden in der Praxis nicht in den Hintergrund geraten, sondern in Folgestudien erneut beleuchtet werden.
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