Zugehörigkeitserleben von Kindern mit Höreinschränkungen : Eine qualitative Studie in Schweizer Kindertagesstätten

Zugehörigkeit ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis und stellt ein komplexes Phänomen dar. Zugehörigkeit beschreibt eine subjektive Erfahrung emotionaler Verbundenheit, die mit Gefühlen von Sicherheit und Geborgenheit einhergeht. Das Zugehörigkeitserleben von Kindern entsteht in einem dynamischen Prozess und wird durch alltägliche Erfahrungen und soziale Beziehungen erfahrbar. In der Schweiz spielen Kindertagesstätten als frühkindliche Bildungsinstitutionen eine zentrale Rolle, wie Kinder Zugehörigkeit erleben können. Die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen stellt ein Kernelement der aktuellen Bildungspolitik dar. Im Sinne dieser inklusiven Massnahmen besuchen auch Kinder mit Höreinschränkungen Kindertagesstätten. Die vorliegende Masterarbeit hat zum Ziel, das Zugehörigkeitserleben von Kindern mit Höreinschränkungen in Schweizer Kindertagesstätten zu untersuchen.

Im Bestreben die individuelle Perspektive des Zugehörigkeitserlebens der Kinder zu erfassen, wird ein ethnographischer Methodenansatz gewählt. Die Datenerhebung erfolgt mittels teilnehmender Beobachtung, Gesprächen mit den Kindern, Interviews mit Eltern und Fachpersonen sowie Fotodokumentation. Die Datenauswertung wird anhand der Grounded-Theory-Methodologie vorgenommen.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Zugehörigkeitserleben von Kindern mit Höreinschränkungen von Faktoren auf drei Ebenen beeinflusst wird: kindbezogene, relationale und strukturelle Ebene. Zusätzlich gibt es Faktoren, die mehreren Ebenen zugeordnet werden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Fachpersonen eine zentrale Rolle für das Zugehörigkeitserleben von Kindern mit Höreinschränkungen in Schweizer Kindertagesstätten einnehmen. Fachpersonen kommt eine entscheidende Funktion zu, da sie sowohl relationale als auch strukturelle Massnahmen zur Unterstützung dieser Kinder gestalten und umsetzen. Die kommunikative Teilhabe erweist sich als eng verknüpft mit dem Erleben von Zugehörigkeit oder Nicht-Zugehörigkeit. Kinder mit eingeschränkten lautsprachlichen Kompetenzen sind in besonderem Masse auf die Beziehung und Interaktion mit den Fachpersonen angewiesen, um Zugang zu Wissen, Unterstützung bei der Emotionsregulation sowie Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme mit Peers zu erhalten. Eine bilinguale Förderung in Laut- und Gebärdensprache stellt insbesondere für Kinder mit starkem Hörverlust eine wichtige Chance dar, Zugehörigkeit zu erleben.

 

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