Zugehörigkeitserleben von Vorschulkindern mit Geschwistern : Eine qualitative Studie in einer Schweizer Kindertagesstätte
Zugehörigkeit zählt zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen und spielt eine zentrale Rolle in der kindlichen Entwicklung. Geschwisterbeziehungen prägen dabei massgeblich zentrale Entwicklungsbereiche. Wie Kinder mit Geschwistern Zugehörigkeit im Alltag von Kindertagesstätten erfahren, wurde bislang kaum untersucht. Diese Masterarbeit geht der Frage nach, wie Vorschulkinder mit Geschwistern Zugehörigkeit im institutionellen Kontext der Kindertagesstätte konstruieren und erleben. Im Fokus stehen zwei verschiedene Geschwistersituationen: In der einen besucht das jüngere Kind neu dieselbe Kita-Gruppe, in der anderen wechselt das ältere Geschwisterkind in eine andere Gruppe. Das Kind wird dabei als aktives Subjekt verstanden, das sein Zugehörigkeitserleben selbst mitgestaltet. Die Datenerhebung folgt dem Mosaik-Ansatz und umfasst teilnehmende Beobachtungen, Gespräche mit Fokuskindern, Fachpersonen, Eltern, Peers sowie – sofern möglich – mit Geschwistern. Ergänzend werden von den Kindern geführte Touren als partizipative Erhebungsmethode eingesetzt. Die Datenauswertung orientiert sich an der Grounded-Theory-Methodologie. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Zugehörigkeit als dynamisches Zusammenspiel innerhalb und ausserhalb des Kindes liegender Einflussgrössen entsteht. Insbesondere die Verfügbarkeit und das Interaktionsverhalten von Geschwistern und Fachpersonen erweisen sich als zentrale Einflussgrössen. Kinder erleben Zugehörigkeit in unterschiedlichen sozialen Kontexten und konstruieren diese aktiv durch ihr Handeln. In beiden untersuchten Geschwisterszenarien – dem Hinzukommen und dem Weggang eines Geschwisterkindes – bleibt dessen physische wie mentale Präsenz für das Zugehörigkeitserleben äusserst bedeutsam. Während Kinder mit anwesendem Geschwisterkind dieses zur (Selbst-)Regulation physisch aufsuchen können, greifen Kinder mit abwesendem Geschwisterkind verstärkt auf internalisierte Bezüge zurück, um emotionale Nähe und Regulation herzustellen. Besonders Übergänge in der Geschwisterkonstellation wirken als sensible Phasen des Erlebens von Zugehörigkeit. Fachpersonen nehmen eine Schlüsselrolle ein und können Zugehörigkeit durch ihr Verhalten massgeblich fördern oder beeinträchtigen. Die Studie leistet einen Beitrag zur frühpädagogischen Praxis, indem sie ein vertieftes Verständnis von Zugehörigkeit im Geschwisterkontext der Kindertagesstätte eröffnet.
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