Beurteilung der Dimensionalität und strukturellen Stabilität der Reflexionsfähigkeit angehender Naturwissenschaftslehrkräfte

Diese Studie untersucht die Reflexionsfähigkeit – die Fähigkeit, Aspekte eines Unterrichts qualitativ gut reflektieren zu können – von Studierenden für das Lehramt. Die Studie verfolgt einen fachdidaktischen Fokus im Bereich der Naturwissenschaften, da hierzu bislang nur wenige Untersuchungen vorliegen. Die Studierenden führen zwei verschiedene Lektionen zu je 90 min mit unterschiedlichen Experimenten aus Biologie und Chemie, jedoch mit dem identischen Lernziel des naturwissenschaftlichen Experimentierens als Erkenntnismethode, durch und reflektieren diese fachdidaktisch. Es wird ermittelt, ob die Struktur der Reflexionsfähigkeit konsistent erfasst werden kann und inwiefern diese Struktur über mehrere Unterrichtssituationen stabil ist. Des Weiteren wird untersucht, welche Dimensionalität sich empirisch zeigt. Es werden N = 61 Studierende im integrierten Fach Naturwissenschaften und Technik der Sekundarstufe I untersucht. Zur Messung wurde ein standardisiertes Instrument zur Erfassung der Reflexionsbreite und Reflexionstiefe entwickelt. Es umfasst 17 Items, welche auf fachdidaktische Aspekte des Unterrichts fokussieren. Die Datengewinnung erfolgte durch semistrukturierte Leitfadeninterviews, welche mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden. Die Ergebnisse deuten auf eine eindimensionale Struktur der Reflexionsfähigkeit hin. Theoretisch fundierte mehrdimensionale Modelle lassen sich in den Daten nicht nachweisen. Diese eindimensionale Struktur ist in beiden Experimentiersituationen vergleichbar identifiziert worden. Die Befunde deuten auf eine strukturelle Stabilität der gemessenen Reflexionsfähigkeit über beide Reflexionsanlässe hin. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund diskutiert, dass trotz der starken Kontrolle der Erhebung mit der Volatilität solcher Unterrichtssituationen eine große methodische Herausforderung der Messung der Reflexionsfähigkeit einhergeht. Es stellt sich dabei die Frage, wie viele Unterrichtssituationen für eine valide und reliable Einschätzung der fachdidaktischen Reflexionsfähigkeit notwendig wären.

This study examines the reflective ability—the ability to reflect with quality on a lesson’s aspects—of pre-service students teachers. The present study pursues a subject-specific focus in the natural sciences, as there have been only a few such studies to this date. To this end, the students conduct two different 90 min lessons, each featuring distinct experiments from the fields of biology and chemistry, but with the identical learning objective of scientific experimentation as a method of acquiring knowledge. Subsequent to the lesson, the students engage in subject-specific reflection on the lessons. It is determined whether the structure of the subject-specific reflection ability can be consistently recorded and to what extent this structure is stable over multiple teaching situations. In addition, the study examines which dimensionality is empirically identifiable. A total of 61 pre-service science teachers in the integrative subject of science and technology at lower secondary level were examined. A standardized instrument was developed to measure the breadth and depth of reflection. It comprises 17 items that focus on subject-specific aspects of reflection. Data was collected through semi-structured guided interviews, which were analyzed using qualitative content analysis. The analysis of the structure suggests a one-dimensional construct for the ability to engage in subject-specific reflection. Multidimensional models based in theory are not supported by the data. This one-dimensional structure can be identified in a comparable manner in both experimental situations. The findings indicate a structural stability of the measured ability across both reflection occasions. The results are discussed against the background that, despite the survey’s rigorous control, the volatility of such teaching situations poses a major methodological challenge for measuring reflection. This raises the question of how many teaching situations would be necessary for a valid and reliable assessment of the ability to engage in subject-specific reflection.

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