Die finanzielle Beteiligung des Kindergärtnerinnenseminars Amriswil (KSA) durch den Kanton Thurgau (1975 – 2005)

Mit der steigenden Anzahl an Kindergärten in den 70er Jahren wuchs auch der Bedarf an ausgebildeten Kindergärtnerinnen. Für die Ausbildung mussten die Thurgauerinnen jedoch lange Zeit ausserkantonale Seminare besuchen. Im Kanton Thurgau gab es damals noch keine gesetzlichen Regelungen und deshalb eine Finanzierung respektive eine Einrichtung einer Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen durch den Kanton Thurgau ausgeblieben war. Schliesslich wurde das Kindergärtnerinnenseminar Amriswil 1975 aus Eigeninitiative gegründet. In den Anfangsjahren leistete der Kanton bescheidene Staatsbeiträge, es dauerte aber einige Jahre, bis sich der Kanton Thurgau mit angemessenen finanziellen Beiträgen beteiligt hat. Die finanzielle Unterstützung des Kindergärtnerinnenseminars Amriswil durch den Kanton Thurgau lässt sich in drei klar unterscheidbare Phasen gliedern, die unterschiedliche politische, rechtliche und bildungspolitische Entwicklungen widerspiegeln. Die erste Phase, die bis 1984 andauerte, war durch eine sehr geringe finanzielle Beteiligung des Kantons gekennzeichnet, er beteiligte sich nur mit minimalen Staatsbeiträgen. Diese Anfangsphase spiegelte die Unterstützung des KSA eine zurückhaltende Haltung des Kantons wider, der nur minimal zur Deckung der Kosten beitrug. Dies deutet darauf hin, dass der Kanton die Bedeutung der Kindergärtnerinnenausbildung zu diesem Zeitpunkt noch nicht als prioritäre Aufgabe betrachtete. Mit Beginn der zweiten Phase im Jahr 1985 trat eine wesentliche Veränderung ein: Der Kanton Thurgau wurde durch gesetzliche Regelungen verpflichtet, sich stärker an der Finanzierung des KSA zu beteiligen. Ab diesem Zeitpunkt übernahm der Kanton nach intensiven Verhandlungen mit dem KSA 90 % der Betriebskosten des Seminars, was zu einer deutlichen Erhöhung der finanziellen Mittel führte. Diese Phase kennzeichnet eine steigende Anerkennung der wachsenden Bedeutung der Kindergärtnerinnenausbildung, die durch die verstärkte Einbindung des Kantons in die Finanzierung deutlich wurde. Diese Investitionen spiegelten eine zunehmende Verantwortung des Kantons für die Bildungsangebote im Bereich der frühen Erziehung wider. Die dritte Phase begann 1996 mit der vollständigen Übernahme des KSA durch den Kanton Thurgau. In dieser Zeit stiegen die finanziellen Beiträge nochmals erheblich an und erreichten 2001 mit rund 3 Millionen Franken ihren Höhepunkt. Dies stellt den Gipfel der finanziellen Unterstützung des Kanton Thurgau für das KSA dar. Nach diesem Rekordjahr nahmen die Ausgaben jedoch wieder kontinuierlich ab. Diese Entwicklung zeigt, wie sich die finanziellen Verpflichtungen des Kantons im Laufe der Jahre wandelten, beginnend mit einer begrenzten Unterstützung hin zu einer vollständigen Übernahme, die auch die Höhe der Investitionen in die Bildung der Kindergärtnerinnen widerspiegelt. Die zunehmende Bedeutung der Kindergärtnerinnenausbildung für die Bildungslandschaft des Kantons Thurgau wird dabei verdeutlicht.

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