Jenseits von Gut und Böse? : Akteur-Netzwerk-Theorie für eine alternative Historiografie der Pädagogik

ORCID
0000-0001-5564-5496
GND
1080872310
Zugehörigkeit
Pädagogische Hochschule Thurgau
Deplazes, Daniel; Garz, Jona T.

Der Artikel untersucht die Anwendung der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) als alternative Methode zur Historiografie der Pädagogik am Beispiel stationärer Erziehung. Anhand des historischen Falls von „Arrestzellen“ im Landerziehungsheim Albisbrunn zwischen 1930 und 1980 analysiert der Beitrag, wie die ANT es ermöglicht, gängige dichotome Narrative in der Geschichte der stationären Erziehung zu überwinden. Traditionelle historiografische Ansätze neigen insbesondere bei moralisch aufgeladenen Topoi dazu, skandalöse Missstände zu beleuchten oder heroische Pioniergeschichten zu erzählen, wobei komplexe Verflechtungen von Akteuren und Praktiken oft unbeachtet bleiben. Die ANT wird als Möglichkeit vorgeschlagen, die Entstehung und Bedeutung von Praktiken wie die der Isolation schwieriger Jugendlicher in einem relationalen Netzwerk von menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren zu verstehen. Der Beitrag argumentiert, dass eine ANT-basierte Historiografie eine differenziertere Sichtweise auf die Vergangenheit ermöglicht, indem sie die Grauzonen und Ambivalenzen pädagogischen Handelns sichtbar macht und die Fixierung auf moralische Bewertungen zugunsten einer tiefergehenden Analyse von Praktiken und deren Netzwerken aufbricht.

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