Nachhaltigkeit in den Medien : Eine Nachhaltigkeitsanalyse des Videospiels "the wandering Village"
Angesichts von Klimakrise, Extremwetterlagen, Hungersnöten und kriegerischen Auseinandersetzungen gewinnt das Thema Nachhaltigkeit in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Es wird kontrovers diskutiert, was gesamtgesellschaftlich getan werden müsste, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, und was der Einzelne bereit ist, dafür zu tun. Gleichzeitig wird auf politischer Ebene darum gerungen, wie Nachhaltigkeit im Spannungsfeld der Interessen von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft konzeptualisiert werden soll - als starke Nachhaltigkeit, die die planetaren Ressourcen und damit die Ökologie prioritär versteht, oder als schwache Nachhaltigkeit, die auf ein Gleichgewicht von ökonomischem, ökologischem oder sozialem Kapitel abzielt und gegenseitige Kompensationsmöglichkeiten für vertretbar hält. Im gesellschaftlichen Aushandlungsprozess über Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung spielen Medien eine zentrale Rolle. In Werbebotschaften suggerieren Unternehmen die vermeintliche Nachhaltigkeit ihrer Produkte (Greenwashing). Nachhaltigkeit sowie Nicht-Nachhaltigkeit und deren Folgen sind Gegenstand von Nachrichten und Berichterstattung. In Unterhaltungsmedien wie Filmen oder Serien werden Nachhaltigkeit bzw. Verhaltensweisen zu oder Einstellungen gegenüber Nachhaltigkeit als explizites oder implizites Thema mittransportiert, während in sozialen Medien die Kontroverse zwischen Klimaleugner*innen und Nachhaltigkeitsbefürworter*innen (z.B. Greenfluencer*innen, Aktivist*innen der Jugendbegegnung XYZ for Future) befeuert wird. Nicht zuletzt wird Nachhaltigkeit im politischen Meinungskampf genutzt, um eigene Standpunkte und Interessen zu markieren. Medien repräsentieren und konstruieren Nachhaltigkeitsbilder, die in der Gesellschaft kursieren. Sie emotionalisieren und schaffen Betroffenheit, sie informieren und klären auf. Sie wirken meinungsbildend oder verstärken vorgefertigte Meinungen durch Algorithmizität und Filterbubble-Effekte. Eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) unter den Vorzeichen von Digitalität und Medialität muss sich die Frage stellen, wie Nachhaltigkeit in den Medien repräsentiert wird und was dies für die Ausbildung eines Nachhaltigkeitsbewusstseins von Schüler*innen bedeuten kann. Es ist davon auszugehen, dass eine reflektierte Haltung gegenüber Medienangeboten mit Nachhaltigkeitsbezug ein mündiges und nachhaltiges Verbraucherverhalten begünstigen kann. Bevor diesbezüglich konkrete Unterrichtskonzepte entwickelt werden können, wäre ein wichtiger Schritt, Medienangebote für Kinder und Jugendliche hinsichtlich der Frage zu analysieren, welche Aspekte von Nachhaltigkeit thematisiert, transportiert bzw. medial repräsentiert werden. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist offiziell Bildungsgegenstand im Sinne des Lehrplans 21, so dass die Bildungsrelevanz dieses Themas nicht weiter begründet werden muss. Auch die Analyse von Medienangeboten, das Verstehen von Mediensprachen, das «Lesen» von Medientexten zählen zu den verbindlichen 4 Kompetenzen im Modul Medien und Informatik (MI1.1/M1.2). Auf der Basis der aktuell geltenden bildungspolitischen Anforderungen lässt sich somit die Analyse von Medienangeboten hinsichtlich Nachhaltigkeitsbezügen als Gegenstand einer Bachelorarbeit im Rahmen der Lehrpersonenbildung legitimieren. Die vorliegende medienanalytische Bachelorarbeit liefert theoretische Grundlagen, um Schüler*innen bei der kritischen Analyse von Medienangeboten und Medieninhalten zu unterstützen, so dass sie in der Lage sind, ihre eigenen Konsumgewohnheiten zu reflektieren und ein breiteres Bewusstsein für die Bedeutung von Nachhaltigkeit zu entwickeln.