Systemsprenger:innen : Interventionsansätze zur schulischen Integration belasteter Schüler:innen
Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit sogenannten «Systemsprenger:innen». Dabei handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die durch stark herausforderndes Verhalten im Schulalltag auffallen und häufig aus dem Regelschulsystem ausgeschlossen werden. Dies steht im Kontrast zur Inklusionsverpflichtung, welche die Schweiz mit der Ratifizierung der UNO-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2014 eingegangen ist. Mit dem Kanton Thurgau als Beispiel wird deutlich, dass die Zahl der separiert beschulten Kinder mit auffälligem Verhalten in den letzten Jahren merklich angestiegen ist. Dies wirft die Frage auf, wie Schulen mit diesen Kindern umgehen können und welche Massnahmen Lehrpersonen ergreifen können, um sie im Schulalltag zu halten. Im Zentrum der Arbeit steht daher die Frage, welche Interventionsmassnahmen Primarschullehrpersonen einsetzen können, um «Systemsprenger:innen» in den Schulalltag zu integrieren. Der Fokus liegt dabei besonders auf Massnahmen, die auf Beziehung und Bindung zum Kind ausgerichtet sind. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf die Bindungstheorie nach John Bowlby, das Konzept des schmerzbasierten Verhaltens sowie das Response-to-Intervention-Modell. Auf dieser Grundlage wurden drei bestehende Programme aus Deutschland, der Schweiz und Kanada miteinander verglichen: die «AktiF-Gruppe», das «Time-out-Angebot» sowie das «Alternative Suspension Program». Anhand eines festgelegten Kriterienrasters wurden die Programme systematisch analysiert. Dabei zeigten sich zentrale Gemeinsamkeiten in den Bereichen Beziehungsarbeit, sozial-emotionale Förderung, multiprofessionelle Zusammenarbeit und individueller Förderung. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Programme, die auf stabile Beziehungen, multiprofessionelle Zusammenarbeit und soziale Kompetenzförderung setzen, positive Wirkungen entfalten können. Gleichzeitig wird deutlich, dass strukturelle Hürden, fehlende Evaluationen oder mangelnde Elternarbeit die Wirksamkeit beeinträchtigen können. Die Arbeit schliesst mit pädagogischen Handlungsempfehlungen, einer bildungspolitischen Einordnung sowie einem Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen.