Schülerinnen und Schüler mit ADHS im Musikunterricht

Die vorliegende empirische Bachelorarbeit untersucht das didaktische und methodische Potenzial des Musikunterrichts für Schülerinnen und Schüler mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) an der Primarschule. Ziel der Arbeit ist es zudem Lehrpersonen konkrete Anhaltspunkte zu geben, wie sie ihren Musikunterricht gestalten können, sodass er für Kinder mit ADHS eine förderliche Lernumgebung schafft. Dafür wurde mittels Fachliteratur ein Theoriewissen über Kinder mit ADHS sowie den Musikunterricht an Primarschulen angeeignet, welches aufzeigte, dass der Musikunterricht durch die Verbindung von Struktur, Bewegung, Emotion und Kreativität gerade für Kinder mit ADHS sehr förderlich sein kann. Um den theoretischen Kontext belegen zu können, wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt. Drei Primarlehrpersonen mit Erfahrungen mit Kindern mit ADHS im Musikunterricht wurden in halbstrukturierten Interviews befragt. Die Auswertung erfolgte anschliessend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Ergebnisse zeigen, dass der Musikunterricht sowohl methodische als auch didaktische Potenziale für Kinder mit ADHS bietet. Besonders wichtig sind klare Strukturen, abwechslungsreiche Gestaltung, feste Rituale und praxisnahe, bewegungsorientierte Inhalte im Musikunterricht. Offene Unterrichtsphasen hingegen stellen für viele Kinder mit ADHS eine Herausforderung dar. Die Lehrpersonen berichteten, dass Kinder mit ADHS im Musikunterricht häufig motivierter und konzentrierter sind als in anderen Fächern, vor allem, wenn sie aktiv mitgestalten dürfen. Erfolgreiche Strategien der Lehrpersonen in Bezug auf Impulsivität, Ablenkbarkeit und soziale Schwierigkeiten umfassen klare Regeln, nonverbale Signale, Rückzugsmöglichkeiten und die gezielte Einbindung der Kinder in musikalische Aktivitäten. Besonders musikpraktische Elemente wie Rhythmusspiele oder Bewegung stärken das Gemeinschaftsgefühl und fördern die Selbstregulation. Als Fazit lässt sich Folgendes sagen: Der Musikunterricht kann ein wertvoller Raum sein, in dem Kinder mit ADHS ihre Stärken zeigen und gefördert werden können. Er bietet Möglichkeiten zur individuellen Förderung, zur Verbesserung des Selbstbildes und zur inklusiven Gestaltung von Schule. Durch kreative, bewegungsorientierte und gemeinschaftliche Elemente eröffnet er Kindern mit ADHS nicht nur Teilhabe, sondern auch die Chance, aufzublühen. Schlussendlich bleiben folgende Fragen für eine weitere Forschung offen: Was kann aus dem Musikunterricht für den inklusiven Unterricht in Bezug auf Kinder mit ADHS in andere Fachbereiche abgeleitet werden? Wie sehen Kinder mit ADHS den Musikunterricht? oder Sehen Kinder mit ADHS den Musikunterricht als Potenzial in Bezug auf ihre Symptome? Kann der Musikunterricht an der Primarschule als eine Art «therapeutischer Raum» für Kinder mit ADHS fungieren und wenn ja, unter welchen didaktischen Voraussetzungen?

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