Der Art Brut : Künstlerische Stilrichtung oder Diskriminierung von Menschen mit einer Behinderung in der Kunst?

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Kunststil des Art Brut und wird sich dabei mit der historischen Entwicklung des Kunststils sowie der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Reaktion auf die Werke befassen. Der Art Brut befasst sich dabei mit Kunst, welche von Menschen geschaffen worden ist, die sich nicht in der normierten Gesellschaft integrieren können, darunter versteht die Definition Aussenseiterinnen, Menschen mit Behinderung und Autodidakten. Von Bedeutung für diese Arbeit ist dabei die historische Entwicklung des Kunststils und die damit aufkommenden ethischen Problemstellungen. Darauf basierend wurde auch die Fragestellung formuliert, welche sich mit der Wahrnehmung und Einordnung von Werken erschaffen von Menschen mit einer Behinderung aufgreift und inwiefern diese Kategorisierung von Stigmatisierungen und Diskriminierung betroffen ist. Die Untersuchung erfolgt dabei auf Grundlage eines hermeneutisch-phänomenologischen Forschungsansatz und umfasst eine qualitative Literatur- und Dokumentenanalyse sowie biografische Betrachtungen von Künstler des Art Brut. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zuordnung zum Art Brut einerseits zur Sichtbarkeit von Künstlerinnen aus Randgruppen beiträgt, gleichzeitig aber stereotype Vorstellungen verstärkt und die Werke in eine Sonderrolle drängen kann. Ein Vergleich mit dem Expressionismus, welcher sich in der Bildsprache sehr dem Art Brut ähnelt, verdeutlicht, dass ähnlich expressive Optik unterschiedlich bewertet werden kann. Dies hängt dabei vom sozialen Status der Kunstschaffenden ab und führt zu einer Form der Schein-Inklusion, die die tatsächliche Gleichstellung im etablierten Kunstmarkt verhindert. Die Arbeit zeigt auf, dass strukturelle Vorurteile einen wesentlichen Einfluss auf die Rezeption von Kunst haben. Eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Kategorien wie «Art Brut» ist notwendig, um langfristig eine inklusive Kunstrezeption zu ermöglichen. Beantwortet wurde, dass die Kategorisierung als Art Brut sowohl sichtbar macht als auch ausgrenzt. Offen bleibt, wie solche Kategorien verändert oder überwunden werden können, um echte Teilhabe zu fördern. Weitere Forschungsansätze ergeben sich insbesondere im Bereich der Kunsttherapie und der Frage nach Selbstbestimmung der Kunstschaffenden.

Zitieren

Zitierform:
Zitierform konnte nicht geladen werden.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten